Passkeys statt Passwörter? Vorteile und Grenzen der Technologie

Passkeys statt Passwörter? Vorteile und Grenzen der Technologie

Passkeys können klassische Passwörter in vielen Fällen sinnvoll ersetzen. Sie schützen besser vor Phishing und machen tägliche Logins spürbar einfacher. Im Alltag gibt es aber auch Stolpersteine bei Synchronisierung, Gerätewechsel und Wiederherstellung.

Pascal Christen Pascal Christen · System Engineer

Wer heute bei einem Onlinedienst ein Konto erstellt, kennt das Spiel mit den Passwörtern bereits: Es soll lang und sicher sein, am besten einzigartig, und im Idealfall kommt noch ein zweiter Faktor dazu. Im Alltag kann das schnell zu Stress mit Passwort-Managern, Reset-Mails und Authenticator-Apps führen.

Immer öfter begegnet man deshalb der Option, statt eines Passworts einen Passkey zu verwenden. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn Sie müssen sich kein Passwort mehr merken, eintippen oder auf einer Login-Seite eingeben. Stattdessen bestätigen Sie die Anmeldung in der Regel auf einem Gerät, das Ihnen gehört, etwa mit Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN.

Genau deshalb wirken Passkeys für viele Nutzer auf Anhieb nachvollziehbar. Sie machen das Login nicht nur moderner, sondern auf eigenen Geräten oft auch einfacher. Trotzdem sind Passkeys nicht in jeder Situation eine Patentlösung. Darum schauen wir in diesem Artikel nicht nur auf die Vorteile, sondern auch auf mögliche Hindernisse im Alltag.

Was sind Passkeys?

Mit einem klassischen Passwort läuft die Anmeldung immer ähnlich ab. Sie öffnen eine Website oder App, tippen Benutzername und Passwort ein und bestätigen je nach Dienst noch einen zweiten Faktor.

Mit einem Passkey verändert sich dieser Ablauf. Statt einer klassischen Kombination aus Username und Passwort kommt ein digitaler Zugangsschlüssel zum Einsatz, der auf Ihrem Gerät oder in einem dafür vorgesehenen Manager gespeichert wird.

Technisch funktioniert ein Passkey mit einem Schlüsselpaar. Ein privater Schlüssel bleibt auf Ihrem Gerät oder im Passkey-Manager, ein öffentlicher Schlüssel liegt beim jeweiligen Dienst. Beim Login wird eine Anfrage auf Ihrem Gerät mit dem privaten Schlüssel bestätigt. Der Dienst prüft danach mit dem öffentlichen Schlüssel, ob diese Bestätigung gültig ist. Für Sie fühlt sich das wie ein einfaches Entsperren an. Im Hintergrund sorgt dieses Verfahren aber dafür, dass kein klassisches Passwort mehr abgefangen oder auf einer gefälschten Website eingegeben werden kann.

Wer sein Smartphone oder seinen Laptop ohnehin per Fingerabdruck oder Face ID entsperrt, kann sich bei unterstützten Konten oft auf dieselbe Weise anmelden und muss kein zusätzliches Passwort mehr eingeben. Das spart nicht nur Zeit, sondern beseitigt auch einen der häufigsten Reibungspunkte im Alltag und erhöht in vielen Fällen zugleich die Sicherheit. Man vergisst kein Passwort, vertippt sich nicht bei Sonderzeichen und landet seltener in einem Passwort-Reset-Prozess.

Warum Passkeys als Fortschritt gelten

Der wichtigste Vorteil zeigt sich beim altbekannten Problem des Phishings. Auf einer täuschend echten, aber gefälschten Website können nicht nur Passwörter abgegriffen werden, sondern unter Umständen auch weitere Anmeldedaten wie Einmalcodes aus einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Ein Passkey funktioniert anders, weil er an den echten Dienst gebunden ist und sich nicht einfach auf einer beliebigen oder täuschend echt nachgebauten Login-Seite verwenden lässt. Genau deshalb gelten Passkeys im Vergleich zu klassischen Passwörtern als deutlich resistenter gegen Phishing.

Fast ebenso wichtig ist ein zweiter Punkt, der im Alltag schnell relevant wird. Passwörter werden häufig wiederverwendet. Wer für mehrere Konten dieselbe Kombination nutzt, riskiert bei einem einzelnen Datenleck gleich mehrere Zugänge. Passkeys beseitigen dieses Problem, weil für jeden Dienst ein eigener Zugangsschlüssel erzeugt wird. Ein Leck bei einem Onlinedienst gefährdet weder andere Konten noch den dort hinterlegten Passkey selbst, weil beim Dienst nur der öffentliche Schlüssel gespeichert ist.

Für wen sich Passkeys schon heute gut eignen

Am meisten profitieren Menschen, die wichtige Konten auf eigenen Geräten nutzen. Das betrifft etwa das E-Mail-Konto, den Cloudspeicher, ein Konto mit Zahlungsdaten oder zentrale Arbeitskonten. Gerade dort ist ein Passwort oft der heikelste Teil des Logins. Wenn dieser Schritt wegfällt, steigt nicht nur der Komfort, sondern auch der Schutz gegen typische Angriffe.

Wer vor allem mit einem eigenen Smartphone und einem eigenen Laptop arbeitet, erlebt Passkeys oft als unkompliziert. Das gilt besonders dann, wenn die Gerätewelt eingespielt ist und die Passkeys über denselben Schlüsselbund oder Manager verfügbar sind. In so einer Umgebung fühlt sich die Anmeldung fast unsichtbar an. Konto auswählen, Gerät bestätigen, fertig.

Warum das Thema für viele Hostpoint-Kundinnen und -Kunden relevant ist
Viele unserer Kundinnen und Kunden verwalten nicht nur eine Website, sondern auch E-Mail-Konten, Kundenlogins und weitere zentrale Web-Zugänge. Gerade dort zeigt sich schnell, wie wichtig eine Anmeldemethode ist, die Sicherheit und Alltagstauglichkeit sinnvoll verbindet. Passkeys sind deshalb ein Thema, das man auch rund um Website und E-Mail im Blick haben sollte.

Wo die Grenzen liegen

Ganz so reibungslos funktioniert es nicht in jeder Situation. Ein Passwort lässt sich theoretisch auf jedem beliebigen Gerät eintippen. Ein Passkey funktioniert nur dort, wo er gespeichert ist oder wo Sie über Ihr Setup darauf zugreifen können. Das wird spätestens dann relevant, wenn ein Gerät ersetzt wird, verloren geht oder ein Login an einem fremden Computer nötig ist. Solche Szenarien sind lösbar, aber nicht immer gleich elegant.

Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen synchronisierten und gerätegebundenen Passkeys. Synchronisierte Passkeys werden über einen passenden Dienst auf mehrere Geräte gebracht. Das ist bequem, weil ein neues Smartphone oder ein zusätzlicher Laptop schneller eingebunden werden kann. Gerätegebundene Passkeys bleiben dagegen auf einem einzelnen Gerät. Das kann mehr Kontrolle bieten, macht den Wechsel auf ein neues oder ein Ersatzgerät aber oft aufwendiger. Für die Praxis ist dieser Unterschied wichtig, weil er mitentscheidet, welche Variante besser passt und wie unkompliziert Passkeys im Alltag tatsächlich funktionieren.

Eine zuverlässige Wiederherstellungsoption ist unerlässlich, falls Sie Ihr Hauptgerät nicht mehr als Passkey nutzen können.

Ebenso wichtig ist, was bei Geräteverlust oder einem Wechsel auf ein neues Gerät passiert. Eine gute Login-Methode muss nicht nur im Normalfall funktionieren, sondern auch dann, wenn etwas schiefläuft. Wer den Zugriff auf ein Gerät verliert, braucht einen verlässlichen Weg zurück ins Konto. Sonst wird aus einem bequemen Login schnell ein unnötiges Problem. Genau deshalb gehören bei Passkeys nicht nur Sicherheit und Komfort zusammen, sondern auch die Frage, wie gut Speicherung, Synchronisierung und Wiederherstellung geregelt sind.

Oft wird auch übersehen, dass nicht jeder Onlinedienst Passwörter sofort vollständig ersetzt. Teilweise werden Passkeys zusätzlich angeboten, während Passwort und andere Login-Wege aktiv bleiben. Das ist praktisch, weil es einen Fallback gibt. Es heisst aber auch, dass alte Schwachstellen nicht automatisch verschwinden, nur weil ein Passkey eingerichtet wurde. Ein schwaches oder wiederverwendetes Passwort kann weiterhin ein Risiko bleiben. Ein Passkey verbessert die Anmeldung also deutlich, ersetzt aber nicht automatisch alle Altlasten eines Kontos.

Wann sich der Umstieg lohnt

Wenn Sie heute vor allem auf eigenen Geräten arbeiten, wichtige Konten besser schützen möchten und sich weniger mit Passwörtern herumschlagen wollen, können Passkeys bereits jetzt eine sehr sinnvolle Option sein. Sie verbinden oft mehr Komfort mit einem wirksamen Schutz vor klassischem Phishing. Für viele Privatnutzer kann das schon heute ein echter Fortschritt sein.

Etwas vorsichtiger sollte man den Umstieg angehen, wenn oft auf fremden Geräten gearbeitet wird oder die Wiederherstellung wichtiger Konten nicht sauber vorbereitet ist. Dann ist es meist klüger, mit einzelnen Zugängen zu beginnen, statt alles auf einmal umzustellen. So lässt sich im eigenen Alltag prüfen, ob Passkeys wirklich Erleichterung bringen oder an bestimmten Stellen noch zu umständlich sind.

Fazit

Passkeys sind nicht in jeder Situation die beste Lösung, lösen aber reale Schwächen klassischer Passwörter. Sie entschärfen das klassische Passwort als zentrale Schwachstelle vieler Logins und erschweren Phishing-Angriffe deutlich. Am überzeugendsten sind Passkeys dort, wo ein Login regelmässig auf eigenen Geräten stattfindet und wo Speicherung, Synchronisierung und Wiederherstellung sauber zusammenspielen. Sobald Gerätewechsel, fremde Rechner oder parallele Alt-Logins ins Spiel kommen, zeigt sich aber auch, dass Passkeys ein passendes Setup brauchen.

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